{"id":282,"date":"2021-06-24T18:02:27","date_gmt":"2021-06-24T18:02:27","guid":{"rendered":"https:\/\/fannyhensel.de\/?page_id=282"},"modified":"2021-10-07T05:35:01","modified_gmt":"2021-10-07T05:35:01","slug":"werknotizen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/fannyhensel.de\/?page_id=282","title":{"rendered":"\u00dcber ihr Werk"},"content":{"rendered":"<h1>\u00dcber ihr Werk<\/h1>\n<p>Fanny Hensel hinterlie\u00df rund 450 Kompositionen: Klavierst\u00fccke, Solo- und Chorlieder, geistliche und weltliche Kantaten, Kammermusik und eine Orchesterouvert\u00fcre. Nur wenige Werke erschienen zu ihren Lebzeiten oder kurz nach ihrem Tod (op. 1-11). Fast alle dieser Kompositionen sind in autographen Sammelb\u00e4nden, eigenh\u00e4ndigen Reinschriften, Albumbl\u00e4ttern und Abschriften \u00fcberliefert. Diese Manuskripte werden zum \u00fcberwiegenden Teil im Mendelssohn Archiv der Staatsbibliothek zu Berlin-Preu\u00dfischer Kulturbesitz aufbewahrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Werke Fanny Hensels interessierte sich 130 Jahre lang niemand, was eigentlich kein Grund sein m\u00fcsste, sich pl\u00f6tzlich mit ihrer Ver\u00f6ffentlichung zu beeilen. Aber die Frage nach vergessenen Kulturleistungen von Frauen war Ende der 1970er Jahre vehement: Undenkbar, sich jetzt in Geduld zu \u00fcben, nachdem doch schon so viel Zeit verloren war. Dass Fanny Hensel von dem Wunsch zu ver\u00f6ffentlichen beseelt war, wurde schnell erkannt und als Appell begriffen, ihr diesen Wunsch posthum zu erf\u00fcllen. Und nun sind viele ihrer Werke publiziert, was sicher nicht der Fall w\u00e4re, wenn nicht PionierInnen wie Barbara Heller und Elke Mascha Blankenburg sowie nachfolgend weitere HerausgeberInnen, InterpretInnen und Verlage gewesen w\u00e4ren, die Fanny Hensel in die \u00d6ffentlichkeit gebracht haben.<\/p>\n<p>In dem hier folgenden Werkverzeichnis sind alle Werke Fanny Hensels aufgef\u00fchrt, die im Furore Verlag publiziert sind. Furore begann im Jahre 1987 mit der erstmaligen Ver\u00f6ffentlichung ihrer Klavier- und Kammermusik sowie der Werke mit gr\u00f6\u00dferer Besetzung. Sp\u00e4ter kamen dann auch Lieder, Duette und Terzette hinzu sowie ausgew\u00e4hlte Bearbeitungen.<\/p>\n<p>Das komplette Werkverzeichnis Fanny Hensels finden Sie bei Renate Hellwig-Unruh: Fanny Hensel: Thematisches Verzeichnis der Kompositionen, Adliswil, 2000<\/p>\n<p>Die im Mendelssohn Archiv aufbewahrten Kompositionen finden Sie bei Hans-G\u00fcnter Klein (Hg.): Die Kompositionen Fanny Hensels in Autographen und Abschriften aus dem Besitz der Staatsbibliothek zu Berlin-Preu\u00dfischer Kulturbesitz, Tutzing 1995<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Edition von Werken Fanny Hensels:<\/strong><br \/>\n\u201eDie Frage nach Fanny Hensels Werk l\u00f6st eine F\u00fclle von \u00dcberlegungen aus, die den Rahmen \u00fcblicher Editionsproblematik sprengen und die f\u00fcr die Wissenschaft eine interessante Herausforderung in sich bergen. Denn jede posthume Ver\u00f6ffentlichung ist mit der Konstruktion einer Werkgestalt verbunden, die durch die Komponistin selber nicht autorisiert ist. Das zwingt uns z.B., \u00fcber unseren Werkbegriff, \u00fcber Autorschaft, die Bedeutung von Entstehungs- und Auff\u00fchrungsbedingungen f\u00fcr ihre Werke, der Adressierung ihrer Musik etc. neu nachzudenken.\u201c<br \/>\nB. Borchard, 1997, S. XII)<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Kammermusik:<\/strong><br \/>\nDie Kammermusikwerke Fanny Hensels verteilen sich \u00fcber ihre gesamte Schaffenszeit von 1822 bis 1847. Als erstes entstand 1822 das Klavierquartett, noch im Stadium der musikalischen Lehrlingszeit und m\u00f6glicherweise als von Zelter angeregte Kompositionsaufgabe, klavierorientiert (ist da eine Anspielung auf Moscheles und andere Virtuosen?). 1823 folgt ein Adagio f\u00fcr Violine und Klavier, ein kurzes Variationenst\u00fcck. Vermutlich 1829 widmet sie dem Bruder Paul zwei Cellokompositionen (will sie ihn necken, oder warum jagt sie ihn mal hoch, mal tief?). Beim Streichquartett von 1834 geht es ihr um etwas Gro\u00dfes, sie investiert ihre ganze gestalterische Kraft, noch heute ist sie zu f\u00fchlen, das Werk gelingt; hier ist sie einen eigenen Weg gegangen, hat Kompositionsprinzipien aufgestellt und Territorialgesetze (sich als Frau mit einem Kammermusikwerk in die Kompositionsgeschichte einzuschreiben) negiert, mit Felix gek\u00e4mpft. Am Ende dann, 1847, komponiert sie als eines ihrer letzten Wer ke das Klaviertrio op. 11, in welchem sich vers\u00f6hnlich Widerspr\u00fcche ihrer Existenz aufzul\u00f6sen scheinen. Hier integriert sie das inzwischen umfassend zu eigen gewordene Modell \u201eLied\u201d in die Kammermusik und bereitet das Werk f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung vor.<br \/>\nBarbara Gabler<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die \u201eBagatellen\u201c:<\/strong><br \/>\n\u201e&#8217;Du sch\u00f6ne Hexe, immer bist du da, aber nie kann ich dich greifen&#8216;. Mit diesem Bild schlie\u00dft der Wissenschaftler und P\u00e4dagoge Diether de la Motte seine der Edition vorangestellte \u201eAnalyse des Musik-Erlebens\u201c, seine pers\u00f6nliche Ann\u00e4herung an die erste der beiden Bagatellen. Die &#8218;Unfassbare&#8216; ist hier die sanft flie\u00dfende Melodie, die gleichsam ohne Anfang und Ende durch verschiedene Tonarten gleitet. Auch das zweite St\u00fcck bringt \u00fcberraschende melodisch und harmonische Wendungen.<br \/>\nBeide Bagatellen schrieb die Komponistin f\u00fcr die Sch\u00fcler des 1835 gegr\u00fcndeten Schindelmeiserschen Musik-Instituts, und folglich verzichtete sie f\u00fcr einmal auf virtuose Brillanz. Die kurzen, sehr transparent gesetzten St\u00fccke eignen sich daher gut f\u00fcr den Unterricht, auch wenn sie bei sauberer Stimmf\u00fchrung nicht ganz ohne T\u00fccken sind (im Schwierigkeitsgrad etwa mit den leichteren der Lieder ohne Worte von Bruder Felix vergleichbar).\u201c<br \/>\nSchweizer Musikzeitung Animato Nr.4, 1995<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Lieder:<\/strong><br \/>\nFanny Hensel schrieb 249 klavierbegleitete Lieder. Nicht nur wegen der gro\u00dfen Anzahl ist es zutreffend, sie in erster Linie als Liedkomponistin anzusehen, sondern auch wegen der besonderen Bedeutung, die sie der textgebundenen Musik beima\u00df sowie des hohen Ranges, den ihre Lieder innerhalb der romantischen Liedproduktion insgesamt einnehmen. Das von Felix Mendelssohn erhobene Postulat, dass zum Beruf des Komponisten Kontinuit\u00e4t geh\u00f6re, n\u00e4mlich stete Arbeit innerhalb einer Gattung als Voraussetzung f\u00fcr musikalische \u2018Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung\u2019, ist in Fanny Hensels Liedschaffen erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Goethe \u00fcbergab Zelter das Gedicht Wenn ich mir in stiller Seele f\u00fcr Fanny, nachdem er erfahren hatte, dass Fanny sich \u00fcber den Mangel an komponierbaren Texten beklagt hatte, mit den Worten: \u201eGieb das dem lieben Kinde.\u201d (Karl Mendelssohn-Bartholdy, Goethe und Felix Mendelssohn, Leipzig (1871), S. 16)<br \/>\nKaum ist Felix nach Weimar unterwegs, wird Fanny wie zuf\u00e4llig krank und greift zur Feder:<br \/>\n\u201e&#8230; Wenn du zu Goethe k\u00f6mmst, sperre Augen und Ohren auf, ich rathe es dir, u. kannst Du bei Deiner R\u00fcckkehr mir nicht jedes Wort aus seinem Munde wieder erz\u00e4hlen, so sind wir Freunde gewesen.\u201c Francoise Tillard, Die verkannte Schwester, 1994, S. 137<\/p>\n<p>In seine Liedsammlung op. 8 hatte Felix einige Lieder von Fanny aufgenommen.<br \/>\nDazu Victoria Sirota: \u201eVon den Dreien (Suleika und Hatem, Das Heimweh, Italien) hatte Italien den gr\u00f6\u00dften Erfolg, und Felix schrieb zweimal, dass er zugeben musste, dass Fanny die Autorin sei, w\u00e4hrend er daf\u00fcr gelobt worden sei.<br \/>\nEr schrieb Fanny am 11. Juni 1830: Gestern lobte mich eine gn\u00e4dige Gr\u00e4fin wegen meiner Lieder und meinte frageweise, ob nicht das von Grillparzer ganz entz\u00fcckend sei? Ja, sagte ich, und sie hielt mich schon f\u00fcr unbescheiden, als ich alles erkl\u00e4rte, Dich als Verfasserin nannte und versprach, die Kompositionen, die du mir n\u00e4chstens schicken w\u00fcrdest, in Gesellschaften gleich mitzutheilen. Wenn ich das thue, bin ich ein Pfefferkorn, ein Brauerpferd: Du schickst aber am Ende auch keine.\u201c<br \/>\nVictoria Sirota, 1981, S. 25-26<\/p>\n<p>\u201e&#8230; unter tausend Dingen, die mir durch den Kopf gingen fiel mir auch das Grillparzersche Exempel ein, welches unm\u00f6glich in Musik zu setzen ist, weshalb es denn auch Fanny wundersch\u00f6n componirt hat,\u201c<br \/>\nFelix an Rebecka aus Neapel, 1831\/ Sutermeister, Briefe S. 138<\/p>\n<p>\u201eEs ist zweifelhaft, dass Felix beabsichtigte, Lob f\u00fcr seines Schwesters Werke einzuheimsen. Es ist wahrscheinlicher, dass seit Abraham Fanny verbot, unter ihrem Namen zu publizieren, dies Felix Weg war, Fanny als Komponistin zu best\u00e4rken. Am 19. Juni 1842 schrieb er an Fanny bez\u00fcglich des Liedes, das K\u00f6nigin Victoria w\u00e4hlte f\u00fcr ihn zu singen: &#8230;und was w\u00e4hlte sie? &#8218;Sch\u00f6ner und sch\u00f6ner&#8216;, sang es ganz allerliebst rein, streng im Takt und recht nett im Vortrag; nur wenn es nach &#8218;der Prosa Last und M\u00fch&#8216; nach d runter geht und harmonisch heraufkommt, gerieth sie beide Male nach dis, und weil ich\u2019s ihr beide Male angab, nahm sie das letzte Mal richtig d, wo es freilich h\u00e4tte dis sein m\u00fcssen. Aber bis auf dies Versehen war es wirklich allerliebst und das letzte g habe ich von keiner Dilettantin besser und reiner und nat\u00fcrlicher geh\u00f6rt. Nun mu\u00dfte ich bekennen, da\u00df Fanny das Lied gemacht hatte (eigentlich kam es mir schwer an, aber Hoffahrt will Zwang leiden) und sie bitten, mir auch eins von den wirklich Meinigen zu singen.\u201c<br \/>\nVictoria Sirota, 1981, S. 25f.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber das \u201eFest der Heiligen Caecilia\u201c<\/strong><br \/>\nFanny Hensel berichtete ihrem Bruder Felix:<br \/>\n\u201eIch habe einen Versett aus der Messe der heiligen C\u00e4cilia, von der Dir Mutter wahrscheinlich ein Textblatt mitgeschickt hat, in 2 Tagen componirt, in solcher Eil, da\u00df die Begleitstimme bis heut noch nicht aufgeschrieben ist. Das Ganze war als doppelte \u00dcberraschung eingerichtet, denn erst sah man die Decker, ohne, da\u00df sie sang, dann sang sie einige T\u00f6ne ungesehn, u. zuletzt sang sie als wirklich lebendes Bild, nat\u00fcrlich auswendig, was eine zauberisch sch\u00f6ne Wirkung gemacht haben soll.\u201c<br \/>\nMarcia J. Citron: The letters of Fanny Hensel to Felix Mendelssohn, 1987, Brief Nr. 48 vom 23.11.1833<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber ihr Werk Fanny Hensel hinterlie\u00df rund 450 Kompositionen: Klavierst\u00fccke, Solo- und Chorlieder, geistliche und weltliche Kantaten, Kammermusik und eine Orchesterouvert\u00fcre. 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